DAS NEUE SCHLAFEN



DASS EIN EINZIGER Raum Lebensmittelpunkt sein kann, ist alles andere als neu. Nicht nur bei vielen indigenen Völkern findet das ganze Leben zwischen nur vier Wänden statt. Auch in Städten war und ist Wohnraum ein begrenztes Gut. Wer Wien kennt, dem ist wohl auch der aus der Gründerzeit stammende Begriff „Zimmer Kuchl Kabinett“ bekannt. Man betrat die Wohnung in der Küche, man schlief in einem kleinen Extrazimmer – dem Kabinett – häufig wurde der Diwan nachts einfach zum Bett. Die Waschgelegenheit war außerhalb der Wohnung. Im ländlichen Bereich war es nicht anders. Auf Bauernhöfen schlief die ganze Familie in einem Zimmer, meist oberhalb des Stalls, temperiert von der Körperwärme des Viehs. Eine mongolische Jurte spiegelt in ihrer Einrichtung die soziale und spirituelle Ordnung ihrer Bewohner wider.

Hier wird – auch heute noch – gekocht, gearbeitet, gewohnt und geschlafen. Lebensglück kann sich aber auch im urbanen Bereich auf einen einzigen Raum konzentrieren. Wohnen im Loft war lange Sinnbild für modernes City Leben. Der Zauber besteht darin, dass die Reduktion auf einen Raum nicht als Einschränkung empfunden wird, sondern als Freiheit. In einer Zeit wo in der Leistungsgesellschaft jeder Einzelne nach Freiraum strebt, fühlt es sich plötzlich wieder gut an, als Familie zusammen zu rücken. Offene Wohnräume mit Kochinsel und Essbereich sind in der Architektur wieder die Normgeworden. Hier wird gelebt, geliebt, gestritten, gelacht. Man trifft sich, kocht und isst zusammen. Verschiedene wichtige Bereiche des Alltags sind in einem Raum vereint.

 


Umgeben von Vertrautem stellt sich Geborgenheit ein.



Schlafzimmer sind Lebensräume, Orte für Entspannung und Ruhe, aber auch für Inspiration und Kreativität. Nachdem nicht mehr nur das Wohn und Esszimmer sondern auch die Küche und sogar manchmal das Badezimmer zu repräsentativen, halb öffentliche Räume deklariert wurden, braucht der Mensch einen Rückzugsort. Ein Ort, der nicht für den Schein, sondern für das Sein gestaltet und eingerichtet wird. Ein Ort, in dem man umgeben von Lieblingsstücken zu sich selbst finden kann. Das Schlafzimmer kann zu diesem ganz besonderen privaten Raum werden, in dem man in selbstbewusster Einsamkeit ein gutes Buch genießt, oder in trauter Zweisamkeit einfach nur plaudert. Dabei gibt es das „Richtige Schlafzimmer“ nicht mehr, dafür sind die Lebenskonstellationen zu vielfältig.

Es gibt große und kleine Schlafzimmer, welche mit angrenzen den Ankleiden oder mit klassischen Kleiderschränken, welche die sich fast nur auf das Bett reduzieren, oder als salon particulier charmant möbliert werden. Mal spielt sich auch dort das Familienleben ab, mal gönnen sich Paare auch gerne getrennte, individuell eingerichtet Schlafzimmer. Ganz besonders im Schlafzimmer ist die persönliche Note von entscheidender Bedeutung. Wenn es denn nur noch einen einzigen Raum geben soll, der nicht den Trends folgt, und nicht fremdgestaltet wirken soll, dann ist es das Schlafzimmer. Die Zeit der nüchternen, rein funktionalen Schlafstätten ist vorbei. Verzichten Sie nicht auf lieb gewordene Dinge, Bilder, Kunst, Bücher, den Lieblingssessel, eine schöne Leuchte... Umgeben von Vertrautem stellt sich Geborgenheit ein, es lässt sich ruhiger schlafen, süßer träumen, schöner leben.